Eltern im Gespräch, #1: Elnaz, Bookerin & Veranstalterin

MITTWOCH, 1. APRIL 2015

In unserer Serie ELTERN IM GESPRÄCH befragen wir Mütter und Väter zu ihrem Familienleben, wie der gemeinsame Alltag gemeistert wird und was das Leben hier besonders schön oder anstrengend macht.
Wir starten mit unserer Freundin Elnaz Amiraslani, die als Kulturschaffende, aber auch durch private Initiative, das Nürnberger Nachtleben bereichert. Mina, ihre Tochter, ist 8 Jahre alt, und erfährt ein unkonventionelles, aber sehr fürsorgliches Familienleben.


Du bist Mutter einer achtjährigen Tochter, selbstständig als Musik- und Eventmanagerin und betreibst ein Musiklabel.
Wie sieht Dein Tagesablauf/Deine Wochenplanung aus? Wie stressig ist es?


Ich arbeite flexibel zwischen Home Office und externem Büro in der Quelle, ab und an auch von unterwegs aus, z. B. wenn ich auf Tour bin. Der Vorteil meiner Selbstständigkeit ist, dass ich Frei- und Arbeitszeit überwiegend selber bestimmen und viel um´s Familienleben herum planen kann. Der Unterschied ist sicherlich, dass es bei uns wohl weniger Regelmäßigkeit im Alltag gibt als bei anderen Familien. Eine gewisse Routine bei der Wochenplanung haben wir natürlich auch, z. B. frühstücken wir jeden Tag zusammen, Mina wird immer zur selben Zeit vom Hort abgeholt, zwei Mal Fußballtraining die Woche, usw.  
Wir planen unser Leben aber quasi von Monat zu Monat, mal ist es weniger, mal mehr stressig. Bisher machen wir das alle gut mit.

Wie kann man das alles vereinbaren?
Ohne ordentliche Kalenderführung und Absprachen zwischen meinem Mann Hannes und mir würde das gar nicht klappen. Auch die Unterstützung unserer Familien ist unverzichtbar, vor allem, wenn ich mal ein paar Tage weg bin, was nicht selten vorkommt. Schön ist, dass Mina schon immer sehr flexibel mit mehreren Bezugspersonen aufgewachsen ist und damit emotional klar kommt.
Wichtig ist für uns alle nicht die Quantität, sondern die Qualität der Zeit, die wir als Familie miteinander verbringen. So ähnlich formuliert das sogar Mina.

Wer hilft Dir dabei?
Natürlich vor allem Hannes, meine Schwester, die Omis und auch Freundinnen. Wir haben das Glück, noch nie einen bezahlten Babysitter bestellen haben zu müssen.

Wie wichtig und hilfreich ist Dir dabei Deine Familie/Dein Freundeskreis?
Unentbehrlich. Die Family ist immer am Start, manchmal müssen wir sogar drum kämpfen, dass Mina am Wochenende bei uns und nicht bei einer der Omas ist ;)
Und wir haben auch das große Glück, dass wir in einer Hausgemeinschaft mit anderen Familien leben und irgendwer immer da ist, der mal 1 bis 2 Stunden schauen oder das Kind mitfüttern kann.

Würde es ohne diese Hilfe auch gehen?
Auf jeden Fall nicht so, dass ich ohne schlechtem Gewissen meiner beruflichen und privaten Sache nachgehen könnte, mit der Gewissheit, dass es Mina auch ohne mich gut geht.

Gibt es Hürden, in Bezug auf Ämter und sonstiges, die Dich beruflich und privat bremsen oder gebremst haben?
Nein, eigentlich nicht. Ich schätze es sehr, dass sich in Deutschland keine Ämter in die Erziehung einmischen. Anfangs fanden es Erzieherinnen sicherlich komisch, dass ich mal tagelang nicht da war und Oma1, Oma2, Tante1, Tante2 im Wechsel Mina abholten. Aber wer unser Familienleben kennt, weiß, dass alles sehr harmonisch verläuft und unsere Familienstrukturen eine Bereicherung für Mina sind.
Ein absurdes bürokratisches Beispiel fällt mir aber ein: das Finanzamt ordnet Hannes und mir jeweils einen halben Steuerfreibetrag zu, aber Hannes kann diesen letztlich nicht anrechnen, da er nicht der leibliche Vater ist - andererseits bekomme ich aber auch nicht den vollen Freibetrag. Das ist wirklich sehr absurd und ein bekanntes Problem unter Patchwork-Familien.  

Was bedeutet Dir soziales Engagement  - und was tust Du?
Ich behaupte mal, dass ein großer Teil meiner beruflichen Kulturarbeit schon einen sozialen Ansatz hat und somit automatisch viele Schnittstellen zu privatem Engagement bestehen, z. B. wenn es um die Gleichstellung von Männern und Frauen geht oder die Inklusion zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Das hört nach Feierabend natürlich nicht einfach auf. Ebenso ist mir als gebürtige Iranerin der interkulturelle Austausch ein persönliches Anliegen, was ich auch in meine Arbeit einbringe. Auf ganz privater Ebene unterstütze ich ehrenamtlich den Akankha-Verein und bin Mitinitiatorin von „Aufmucken gegen Rechts Nürnberg“.

Was können andere Eltern tun - oder Kids?
Ein naheliegender Weg, kulturell Gutes zu tun, wäre auch Veranstaltungen zu besuchen, die nicht à la Bardentreffen, Klassik Open Air usw. kostenlos sind. Leider wird der kulturelle Beitrag durch den Konsumenten, also durch Ticket- oder CD-Käufe, oft unterschätzt, vor allem für alles, was fernab des Mainstream stattfindet. Irgendwann sterben kleine Bühnen deswegen aus.
Ich glaube, Eltern können ihren Kindern hier gute Vorbilder sein und sie so kulturell prägen.

Was kannst Du anderen Eltern besonders empfehlen:

Gastronomie: Kiosk in der Rosenau

Freizeit indoor: Leider zu wenig Möglichkeiten in Nürnberg. Deswegen: Watchever.de-Abo ;)  

Freizeit outdoor: Rosenau, Skateplatz im Burggraben, Pegnitzgrund

Sportmöglichkeiten: Skateplatz im Burggraben

Film: „Die lustige Welt der Tiere“ sollte jede Familien gesehen haben

Buch: „Oh wie schön ist Panama“ (Janosch)

Spiel: „Ich sehe was, was du nicht siehst …“

Was noch?
Kinder auch mal auf Abendveranstaltungen mitnehmen. In anderen Kulturkreisen ist das ganz selbstverständlich.

Was würde Deine Tochter Mina besonders empfehlen?
Den Skateplatz im Burggraben.

Worauf freut Ihr Euch schon besonders, bzw. was steht an 2015?
Mina spielt jetzt Fußball im Verein. Ich denke, unsere Freizeitgestaltung wird dieses Jahr sehr davon geprägt sein.

Fotos: Elmira Amiraslani


Elnaz Amiraslani
PARVENUE – PR*BOOKING*EVENTS
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www.parvenue.de
 




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Stichwort: Interview, Eltern im Gespräch
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