Interview // CODERDOJO Kids lernen Computer verstehen!

DIENSTAG, 1. MäRZ 2016

Ab April hat auch Nürnberg ein CoderDojo. Das klingt schwer nach Turnhalle und Handkante, aber in diesem Dojo trägt man Freitzeitklamotten und haut nur in die Tasten. CoderDojo ist eine weltweite Bewegung öffentlicher Programmierclubs für Kinder und Jugendliche, organisiert von Ehrenamtlichen. Verantwortlich für den Nürnberger Ableger ist unser Freund Joschi Kumphal. Im Interview erklärt er, wie er darauf kam und wie das mit dem CoderDojo und mit curt funktioniert.

Wie bist Du darauf gekommen in Nürnberg ein CoderDojo zu organisieren?

JOSCHI: Dafür gibt es eigentlich zwei Aspekte. Kennengelernt hab ich die CoderDojos durch einen Freund, der das CoderDojo in Köln organisiert. Und dann ist meine Tochter mit ihren fünf Jahren in einem Alter, in dem sie schon unser iPad in die Hand nimmt. Da bin ich sicher nicht der Einzige, der seinem Kind gleich etwas mitgeben und erklären will. So ist das auch bei den meisten Mentoren, die hier mithelfen. Oft sieht man es an den eigenen Kindern, dass Interesse oder auch Nachholbedarf besteht. Also warum sich nicht organisieren und sein Wissen teilen.

Klingt gut. Aber wie muss man sich das genau vorstellen?

JOSCHI: Also wenn ich sage „organisieren“, dann meine ich damit erstmal, dass wir uns unter dem Dach der CoderDojo-Bewegung treffen. Die gibt uns ein paar Grundsätze vor. Beispielsweise, dass die Clubs nur auf ehrenamtlicher und gemeinschaftlicher Arbeit basieren und keinerlei wirtschaftliche Interessen bestehen dürfen. Die Richtlinien sind meist ethische Vorgaben, also dass wirklich jeder mitmachen darf, und Grundsätze im Umgang miteinander oder der Verwendung der Mittel und Spenden. Aber im Ablauf der Treffen oder bei den Lehrinhalten handelt jedes CoderDojo eigenverantwortlich.

Und wer entscheidet das dann?

JOSCHI: Die Mentoren und die Kinder.

Auch den Lehrplan?

JOSCHI: Auch den. Aber eigentlich sollte man nicht Lehrplan sagen. Hier sitzt keine Klasse in einem Klassenzimmer und vorne steht auch kein Lehrer an der Tafel.

Sondern?

JOSCHI: Das soll eher eine Art Workshop werden. Bei jedem Termin sind immer mehrere Experten und Spezialisten dabei, von denen jeder im Idealfall mit maximal vier, fünf Kindern an einer Aufgabe arbeitet. Anstatt nur lange zu reden, wollen wir möglichst schnell beim praktischen Zusammenarbeiten zu Ergebnissen kommen. Die beste Motivation in dem Alter sind schließlich Erfolgserlebnisse. Und einen Algorithmus kann man sich auch ausdenken, ohne vorher erst den Begriff in der Theorie tot zu quatschen, mit der Gefahr, dass einige schon den Faden und die Lust verlieren. Man muss den Begriff nicht mal kennen. Vielleicht reicht, es hinterher zu sagen „Hey, du hast gerade einen Algorithmus erstellt“. Wenn jemand mehr wissen will, kann man spontan mehr dazu erzählen. Diese Dynamik ist typisch für das CoderDojo. Die Experten arbeiten mit und stehen als Mentoren mit ihren Fachwissen ratgebend zur Seite. Lehrplan? Nein! Unser Motto ist „Machen!“.

Und woher kommen die Aufgaben?

JOSCHI: Auch hier ist alles offen. Anders geht es auch nicht. Das Fachwissen, das vermittelt werden kann, hängt von den Mentoren ab, die sich alle ehrenamtlich einbringen. Für den Anfang haben wir uns ein paar Aufgaben überlegt, die wir dann bei der Kennenlernrunde zu Beginn vorstellen. Wir fänden es aber auch super und sehr interessant, wenn Vorschläge von den Kindern und Jugendlichen kämen. Vielleicht kommt ja ein Kind, das schon ein klare Vorstellung hat und zum Beispiel eine Website über sein Aquarium erstellen oder eine Steuerung fürs Aquarium oder einen Roboter bauen will. So eine Aufgabe kann auch ein längeres Projekt über mehrere Termine sein.

Dann sag mal, was Ihr alles drauf habt.

JOSCHI: Im Moment sind wir neun Mentoren. Fast alle können HTML, CSS oder JavaScript, dann gibt es noch Spezialisten für bestimmte Sprachen, CMS-Systeme, Foto- oder Videobearbeitung, Apps oder Hardware wie Raspberry Pi, das Arduino-Board oder Lego Mindstorms. Wir können auch mit Scratch arbeiten, dieser visuellen Programmiersprache für Kinder und Jugendliche. Oder man entwickelt Mods oder Plugins für irgendwelche Spiele wie beispielsweise Minecraft, das im Moment immer noch ziemlich populär ist. Aber wer weiß, vielleicht ist auch mal C oder C++ gefragt. Neben dem Programmieren und dem Lernen neuer Technologien sollen aber auch soziale Werte beim gemeinschaftlichen Arbeiten und Lernen vermittelt werden. Im besten Fall entwickeln die Kinder einen wachen Geist für die Möglichkeiten, aber auch die Risiken neuer Technologien.
Im Übrigen suchen wir immer und dauernd Mentoren. Davon kann man nie genug haben. Wer also gerne sein Wissen weiter geben und teilen will, soll sich melden. Am einfachsten über unsere Website.

Und die Teilnehmer?

JOSCHI:Die sollten zwischen 5 und 17 Jahre alt sein und sich auch vorher über das Formular auf unserer Website anmelden. Eine echte Frist gibt es zwar nicht und vielleicht klappt es auch mal ohne, aber wir müssen schon planen können, damit wir niemanden nachhause schicken müssen. Ich stelle den Eventraum hier bei Tollwerk zur Verfügung und der bietet Platz für ungefähr 50 Personen. Also Kinder, Jugendliche, Eltern, Helfern und Mentoren zusammen. Für Kinder unter 13 gilt, dass den ganzen Tag ein Erziehungsberechtigter dabei sein muss. Die können gerne mitmachen oder mithelfen. Und wenn sie mit Computern, Technik, Brezelschmieren oder Schnürsenkelbinden nichts anfangen können, können sie einfach hier vorne abhängen.

Wie läuft der Tag ab? Wie oft ist das geplant?

JOSCHI: Also ich kann sicher sagen, dass das Treffen um 9 Uhr los geht und dann bis 18 Uhr dauert. Wahrscheinlich. Wir stellen uns gegenseitig vor, versuchen Themen zu finden und Gruppen zusammenzustellen. Aber Kinder und Jugendliche werfen schnell mal alle Planungen über den Haufen. Also entscheiden wir eben vieles auch spontan, damit die Motivation nicht verloren geht. Das ist auch für uns Neuland. Geplant ist erstmal ein Treffen alle vier bis sechs Wochen.

Was muss man mitbringen? Gibt es einen Unkostenbeitrag?

JOSCHI:Man sollte seinen eigenen Computer oder Hardwarebausätze, die man erklärt bekommen möchte, mitbringen. Als nichtkommerzielle Organisation haben wir zumindest bis jetzt noch keine eigene Hardware oder Arbeitsplätze. Mancher unserer Mentoren für Hardware bringt wahrscheinlich eigenes Zubehör mit. Besser wäre es natürlich, wenn wir hier sowas dauerhaft vor Ort hätten, um sicher planen zu können. Aber es macht auch Sinn, auf den eigenen Laptops zu arbeiten, denn so kann man auch leichter zuhause an seinem Projekt weiter arbeiten. Einen Unkostenbeitrag erheben wir nicht. Wir versuchen das mit Sponsoren zu decken.

Stichwort Sponsoren. Du unterstützt das Projekt mit deiner Agentur Tollwerk, indem du unter anderem die Räumlichkeiten und technische Infrastruktur zur Verfügung stellst. Wie kann man Euch unterstützen?

JOSCHI: Ach, das kann vieles sein. Auch ohne Mentor zu sein, kann man als Helfer bei den Treffen im Hintergrund mitmachen. Für die Treffen benötigen wir immer auch Verpflegung, also Essen und Getränke. Hier sind Sachspenden und praktische Hilfe geradezu ideal. Wie gesagt wäre es auch schön, mal eigene Hardwarebausätze zu haben. Oder spezielle Hardware, Accounts oder Programmlizenzen. Man kann das Projekt gerne mit Sachspenden oder Geldspenden fördern. Aktuell unterstützen die Firma Silbury IT Solutions aus Fürth, deren Chef Markus Neubauer auch als Mentor dabei ist, und die Immowelt AG schon das Projekt. Dass CURT und CURT KIDS als Medienpartner das Projekt dauerhaft begleiten und unterstützen, freut mich auch sehr!
Vielen Dank. Wir sind sehr gerne dabei und schon gespannt darauf, wie sich das Projekt entwickelt und über welche Projekte wir berichten können!

Start des CoderDojo: 10. April 2016 // 9 - 18 Uhr Agentur tollwerk // Klingenhofstr. 5 – Nbg. // Anmeldung: coderdojo-nbg.org




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